Die Innenstadt von Kaarst steht vor einer Umgestaltung – und viele Fragen bleiben offen. Geplante Änderungen am Parkraum, neue Einzelhandelsangebote und städtebauliche Zielsetzungen sorgen derzeit für Unsicherheit bei Händlerinnen, Anwohnern und Kundschaft. Im Kern geht es um eines: Wie bleibt die Innenstadt attraktiv, erreichbar und wirtschaftlich tragfähig, wenn gleichzeitig Parkplätze wegfallen?
Was genau geplant ist
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Aus den jüngsten Planungen ergibt sich konkret folgendes Bild:
* Der zentrale Parkplatzbereich verliert insgesamt **24 Stellplätze**. Die Zahl soll von derzeit etwa **93** auf künftig **69** Parkplätze sinken.
* An mehreren Stellen sind räumliche Umgestaltungen vorgesehen: Schrägparkplätze anstatt 90-Grad-Parkplätzen, Veränderungen an der Zufahrt und dem Bereich des ehemaligen Penny-Parkplatzes, wo jetzt ein Drogeriemarkt (DM) angesiedelt wird.
* Einige Gebäude (z. B. das sogenannte Pfadfinderhaus) sollen entfernt werden, um Platz für neuen Parkraum oder veränderte Verkehrsführungen zu schaffen.
* Teile der Politik und Verwaltung setzen verstärkt auf Grünflächen als Attraktivitätsfaktor für die Innenstadt, womit der Fokus weg vom Park- und Handelsangebot zu verschieben scheint.
Warum das ein Problem ist
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Auf den ersten Blick mag weniger Autoraum im Sinne von mehr Fußverkehr und Aufenthaltsqualität wünschenswert sein. Praktisch zeigt sich jedoch:
* **Hohe Auslastung der bestehenden Parkflächen:** Schon heute ist es an vielen Tagen, besonders samstags, schwierig, zeitnah einen Parkplatz zu finden.
* **Neuer Einzelhandel braucht Erreichbarkeit:** Ein neuer Markt wie DM erhöht den Zulauf. Ohne ausreichend Parkplätze entsteht zusätzlicher Suchverkehr und potenzieller Verlust von Kundschaft.
* **Unsichere Verfügbarkeit privat genutzter Parkplätze:** Es ist unklar, ob bisher tagsüber verfügbare Privatparkplätze künftig abgesperrt oder nur eingeschränkt nutzbar sind.
* **Fehlende Einbindung betroffener Gruppen:** Interessenvertretungen wie die Interessengemeinschaft der Einzelhändler (ISG) scheinen nicht in die Entscheidungsgremien eingebunden gewesen zu sein – dabei sind dies genau die Akteure, die von Veränderungen am meisten betroffen sind.
Konkrete Brennpunkte vor Ort
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### Der Bereich Am Dreieck
Engstellen machen die Zufahrt schon jetzt schwierig. Bei gleichzeitigem Wegfall von Straßenparkplätzen drohen Staus und chaotische Situationen, wenn Kundschaft in Runden den verbleibenden Parkraum sucht.
### ehemaliger Penny-Parkplatz / DM-Standort
Der neue Markt erzeugt zusätzliche Besuchernachfrage. Zwar werden Parkflächen auf dem ehemaligen Penny-Areal wieder angeboten, doch die Quantität reicht nach aktuellem Kenntnisstand nicht aus. Zudem gibt es Hinweise auf die Möglichkeit, Parkflächen „freizukaufen“ – also durch Zahlung an die Stadt von der Pflicht zur Schaffung zusätzlicher Stellplätze befreit zu werden. Dies ist nach unseren Recherchen hier passiert und hat somit den notwendigen Parkplatzbedarf erhöht.
### Maubiscenter-Rückseite
Auch hier sind Reduzierungen angedacht. Weniger Parkplätze direkt am Einkaufsort könnten die Attraktivität schmälern, obwohl zusätzliche Flächen für Aufenthaltsqualität geplant sind.
Grünflächen ja, aber nicht statt Handel
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Grünflächen erhöhen Aufenthaltsqualität und sind ein wichtiges Element moderner Innenstädte. Allerdings ist es fraglich, ob rein gesetzte Grünflächen den Wegfall von Kundschaft durch schlechtere Erreichbarkeit kompensieren können. Handel, Gastronomie und die steuerliche sowie arbeitsplatzrelevante Bedeutung des Einzelhandels bleiben zentrale Pfeiler der Innenstadtwirtschaft.
Was wir jetzt fordern
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Die derzeitigen Planungen sollten überarbeitet werden – mit klaren, praxistauglichen Vorgaben:
1. **Parkraum in Summe mindestens erhalten:** Die Gesamtzahl an Tagesparkplätzen muss gleichbleiben oder idealerweise steigen, um die Attraktivität zu sichern.
2. **Stakeholder einbinden:** Einzelhändler, Vermieter, ISG und Anwohner müssen frühzeitig und verbindlich in Entscheidungen einbezogen werden.
3. **Transparente Regeln für Privatparkplätze:** Klären, ob bisherige Privatstellplätze tagsüber öffentlich nutzbar bleiben oder nicht.
4. **Alternativen prüfen:** Verbesserte ÖPNV-Anbindung, Fahrradstellplätze und Park-and-Ride-Lösungen – aber realistische Finanzierungs- und Umsetzungspläne sind nötig.
5. **Schrittweise Umsetzung:** Änderungen in Phasen einführen und unmittelbar evaluieren, statt umfassend und final umzubauen.
6. **Verkehrsführung optimieren:** Engstellen Am Dreieck entschärfen, klare Zufahrtskonzepte für Lieferverkehr und Anwohner schaffen.
Fazit
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Eine attraktive Innenstadt braucht sowohl Aufenthaltsqualität als auch erreichbaren Handel. Grünflächen und Fußgängerzonen sind wichtig, dürfen aber nicht auf Kosten der Erreichbarkeit und der wirtschaftlichen Grundlage der Innenstadt entstehen. Bevor Planungen finalisiert werden, sind transparente Gespräche mit allen Betroffenen und realistische Konzepte für Parkraum und Verkehr unabdingbar.
Wer sich für die Zukunft der Innenstadt interessiert: Informieren Sie sich über öffentliche Sitzungen des Bau- und Planungsausschusses und des Arbeitskreises Innenstadt, bringen Sie Ihre Fragen ein und fordern Sie Lösungen, die Bequemlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Aufenthaltsqualität sinnvoll verbinden.



