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28 Grad = Hitze? Wie Kaarst Klimaschutz betreibt – und wer dafür zahlt. Bericht vom MUKL Ausschuss vom 21. April 2026

MUKL Rückblick: Hitze, Wärmeplanung, Klimaschutz und Friedhofsgebühren in Kaarst
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Im Mobilitäts-, Umwelt-, Klimaschutz- und Landwirtschaftsausschuss, kurz MUKL, ging es diesmal um eine ganze Reihe von Themen, die Kaarst ganz konkret betreffen. Und zwar nicht irgendwann abstrakt, sondern im Alltag, bei den Kosten, bei der Energieversorgung und bei der Frage, wie Verwaltung und Politik in den nächsten Jahren mit Klimaschutz, Hitzeschutz und kommunaler Planung umgehen wollen.

Was dabei auffällt: Viele dieser Punkte haben direkte Auswirkungen auf Bürgerinnen und Bürger in Kaarst. Umso erstaunlicher ist es, dass solche Sitzungen oft nur von sehr wenigen Bürgern und Bürgerinnen verfolgt werden. Dabei geht es hier um Entscheidungen und Vorlagen, die am Ende im Stadtrat landen und dann Realität werden.

Ein Ausschuss mit vielen großen Themen
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Die Tagesordnung war alles andere als klein. Diskutiert wurde unter anderem über:

* **den Sachstand zum Klimawandel in Kaarst**
* **Hitzeschutz und mögliche Maßnahmen**
* **Klimaschutz in der Verwaltung**
* **die kommunale Wärmeplanung**
* **Friedhofsgebühren und ihre deutliche Erhöhung**

Hier sind alle Unterlagen von der Sitzung:

 

Man merkt schnell: Das sind keine Randthemen. Das sind Themen, die den Alltag, die Nebenkosten, die kommunalen Ausgaben und langfristig auch die Art betreffen, wie in Kaarst gewohnt und geheizt wird.

Hitzeschutz in Kaarst: Viel Aktivität, aber auch viele Fragen
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Ein Schwerpunkt war der Bereich **Hitzeschutz und Klimaanpassung**. Dabei wurde deutlich gemacht, dass Kaarst sich mit der Frage beschäftigt, wie man auf steigende Temperaturen reagieren will.

Im Raum standen dabei verschiedene Maßnahmen:

* die Schaffung oder Benennung von **Hitzeschutzpunkten**
* Überlegungen rund um **Vorgärten** und die Frage, wie viel Grün statt Stein in Wohngebieten sinnvoll ist
* praktische Infrastruktur wie der **Trinkwasserbrunnen**, der offenbar aktuell wieder abgedeckt ist und eigentlich nutzbar sein sollte

Dazu kommen neue gesetzliche Vorgaben, die ebenfalls eine Rolle spielen. Genannt wurden unter anderem eine **EU-Verordnung zur Wiederherstellung des Waldes** sowie ein **Klimaanpassungsgesetz**, das auf kommunaler Ebene berücksichtigt und umgesetzt werden muss. Was das im Einzelnen für Kaarst bedeuten wird, ist noch nicht vollständig greifbar. Klar ist aber: Verwaltung und Politik werden sich damit beschäftigen müssen.

Das Dauerthema „Förderung“

Wie so oft fiel auch in diesem Zusammenhang ständig das Wort **Förderung**. Und genau da lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Fördermittel werden gern so dargestellt, als kämen Projekte dadurch praktisch kostenlos zustande. Das stimmt natürlich nicht. Fördergelder sind ebenfalls Steuergelder. Und selbst wenn nur ein kleiner Eigenanteil bei der Kommune bleibt, bedeutet das trotzdem Aufwand, Personalbindung und oft komplizierte Antragsverfahren in der Verwaltung.

Das Problem ist nicht nur das Geld selbst, sondern auch der enorme bürokratische Apparat dahinter. Es müssen Anträge vorbereitet, Fristen eingehalten, Nachweise erbracht und Bedingungen erfüllt werden. Und selbst dann ist noch nicht sicher, ob die Mittel am Ende tatsächlich bewilligt werden.

Man kann also durchaus die Frage stellen, ob diese Förderlogik in vielen Bereichen nicht längst überdreht ist.

Hitze-Informationstag abgelehnt
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Im Ausschuss wurde außerdem vorgeschlagen, erneut einen **Hitze-Informationstag** durchzuführen und zusätzlich ein **Informationsblatt zum Verhalten bei Hitze** zu erstellen.

Die Idee dahinter: Menschen sollen erfahren, wie sie sich an heißen Tagen richtig verhalten. Genannt wurden klassische Empfehlungen wie:

* in den Schatten gehen
* ausreichend trinken
* sich bei hohen Temperaturen vernünftig verhalten

Genau an dieser Stelle stellt sich aber die Frage nach Sinn und Verhältnis. Solche Hinweise sind nun wirklich nichts grundlegend Neues. Ob dafür erneut Verwaltungsressourcen und Steuergeld eingesetzt werden müssen, darf man bezweifeln.

Die Verwaltung wird diesen Informationstag jedenfalls nicht unterstützen, weil der Vorschlag mehrheitlich abgelehnt wurde. Allerdings soll die Veranstaltung wohl trotzdem stattfinden, und zwar durch Ehrenamtliche beziehungsweise das Klimabündnis.

Die Haltung dazu ist klar: Symbolische oder populistische Maßnahmen helfen wenig, wenn am Ende nicht entscheidend ist, was tatsächlich praktikabel, sinnvoll und wirksam ist.

Ab wann ist eigentlich Hitze?
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Eine der wichtigsten Nachfragen in der Sitzung war fast schon eine Grundsatzfrage: **Wie definieren wir Hitze überhaupt?**

Denn wenn das Wort ständig verwendet wird, sollte man auch wissen, ab welcher Temperatur in der kommunalen Diskussion von Hitze gesprochen wird. Die Antwort lautete: **ab 28 Grad**.

Das ist bemerkenswert. Denn wenn bereits bei 28 Grad von Hitze im politischen und verwaltungstechnischen Sinn gesprochen wird, hat das natürlich Folgen für die Bewertung von Maßnahmen, Informationskampagnen und Handlungsdruck.

Diese Festlegung sollte man zumindest offen benennen, damit jeder weiß, auf welcher Grundlage diskutiert wird.

Klimaschutz in der Verwaltung: manches sinnvoll, manches selbstverständlich
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Ein weiterer Bereich war der **Klimaschutz innerhalb der Verwaltung**. Dort wurden verschiedene Maßnahmen angesprochen, die teils sinnvoll, teils recht naheliegend erscheinen.

Dazu gehörten unter anderem:

* **Energiespartipps**
* Geräte und Technik nicht unnötig laufen zu lassen
* am Wochenende konsequent auszuschalten
* **Umstellung auf LED**
* **Dachbegrünung** und weitere bauliche Ansätze

Die entscheidende Nachfrage war dabei: Glaubt man ernsthaft, dass man in Kaarst das globale Klima maßgeblich beeinflussen kann?

Daraufhin wurde sinngemäß deutlich gemacht, dass es nicht um das Weltklima in direkter Größenordnung geht, sondern um das **Mikroklima vor Ort**. Diese Unterscheidung ist wichtig. Wenn man über lokale Maßnahmen spricht, sollte man auch genau sagen, was ihr realistischer Wirkungsbereich ist.

Der große Brocken: die kommunale Wärmeplanung
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Am emotionalsten und zugleich am wichtigsten wurde es bei der **Wärmeplanung**. Das ist kein Nebenthema, sondern ein tiefgreifendes Projekt mit weitreichenden Folgen.

Im Kern geht es darum, wie Kaarst in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Wärmeversorgung so umstellen will, dass die angestrebte **CO2-Neutralität bis 2045** erreicht wird.

Dabei fielen viele Begriffe:

* **Fernwärme**
* **Nahwärme**
* **Zielszenarien**
* **Transformationspfade**
* **Wärmeplanungskonzepte**

Das Problem war allerdings: Es wurde viel über Struktur, Ziele und Planung gesprochen, aber nur sehr wenig darüber, **was das konkret für die Menschen in Kaarst bedeutet**.

Was heißt das praktisch für Bürgerinnen und Bürger?

Genau diese Frage ist entscheidend. Denn eine kommunale Wärmeplanung bleibt nicht auf dem Papier stehen. Sie wird am Ende Auswirkungen haben auf Hauseigentümer, Mieter, Unternehmen und die gesamte lokale Energieinfrastruktur.

Wenn fossile Energieträger schrittweise ersetzt werden sollen, dann heißt das aus heutiger Sicht ganz praktisch:

* Gasheizungen werden langfristig keine Zukunft haben
* Ölheizungen ebenso wenig
* erneuerbare Energien sollen den Standard bilden
* Photovoltaik wird in vielen Konzepten eine wichtige Rolle spielen
* Wärmepumpen und andere neue Heizsysteme werden stärker in den Fokus rücken

Doch damit fangen die Fragen erst an.

**Kann wirklich jedes Gebäude sinnvoll mit einer Wärmepumpe betrieben werden?**
**Was ist mit Häusern ohne geeignete Dachfläche für Photovoltaik?**
**Woher kommt der zusätzliche Strombedarf, gerade im Winter?**
**Wie belastbar sind Nah- und Fernwärmelösungen in der Fläche?**

Diese Fragen sind nicht theoretisch. Sie entscheiden darüber, ob Wärmeplanung für die Menschen in Kaarst praktikabel, bezahlbar und nachvollziehbar wird oder eben nicht.

Viel Aufwand, aber noch wenig greifbare Antworten

Deutlich wurde vor allem eines: In der Verwaltung wird mit erheblichem personellem und finanziellen Aufwand an diesem Thema gearbeitet. Die Richtung ist politisch klar gesetzt, die praktische Umsetzung aber für viele noch nicht anschaulich genug erklärt.

Die Ankündigung lautet, dass in den kommenden Monaten genauer informiert werden soll, und zwar gegenüber politischen Vertretern, Bürgerinnen und Bürgern sowie auch Unternehmen.

Das ist dringend nötig. Denn bei einem Projekt dieser Größenordnung reicht es nicht, Ziele zu formulieren. Es muss verständlich werden, welche Konsequenzen sich daraus für einzelne Haushalte, für Gewerbe und für die kommunale Infrastruktur ergeben.

Friedhofsgebühren: Sterben in Kaarst wird spürbar teurer
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Neben den großen Klima- und Energiethemen gab es auch einen sehr handfesten Punkt mit unmittelbarer finanzieller Wirkung: die **Gebührensatzung für den Friedhof**.

Hier ging es um eine **Erhöhung von über 20 Prozent**. Das ist erheblich.

Die Position dazu war eindeutig von uns: **Ablehnung**.

Natürlich wird von kommunaler Seite argumentiert, dass man kostendeckend arbeiten müsse. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass man die Gebühren sechs Jahre lang nicht angepasst habe und eine solche Lücke künftig vermeiden wolle. Die Konsequenz daraus dürfte sein, dass Gebührenerhöhungen in Zukunft in kürzeren Abständen erfolgen.

Das mag aus Verwaltungssicht planbarer sein. Für die Betroffenen bedeutet es aber vor allem eins: eine steigende finanzielle Belastung in einem ohnehin sensiblen Bereich.

Oder ganz direkt gesagt: **In Kaarst zu sterben wird langsam echter Luxus.**

Der Ausschuss war mehrheitlich dafür, sodass davon auszugehen ist, dass der Stadtrat diese Richtung ebenfalls bestätigt. Mit unserer Gegenstimme ging es auch darum, sichtbar zu machen, dass diese Erhöhung nicht einfach kommentarlos durchgewunken werden sollte.

Warum es sich lohnt, kommunale Politik genauer zu verfolgen
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Die Sitzung hat einmal mehr gezeigt, wie viel in Ausschüssen vorbereitet wird, lange bevor eine breite Öffentlichkeit überhaupt Notiz davon nimmt. Genau dort werden Weichen gestellt:

* für Energiepolitik auf kommunaler Ebene
* für Gebühren und Belastungen
* für Verwaltungsprojekte mit erheblichem Finanzbedarf
* für Maßnahmen, die später den Alltag in Kaarst beeinflussen

Wer wissen will, was in nächster Zeit ansteht, sollte regelmäßig ins **Ratsinformationssystem** schauen. Dort lässt sich nachvollziehen, welche Themen beraten wurden, welche Vorlagen vorliegen und was als Nächstes in den Stadtrat geht.

Gerade bei Themen wie Wärmeplanung, Klimaanpassung, Hitzeschutz und kommunalen Gebühren ist es sinnvoll, früh hinzusehen und nicht erst dann, wenn Entscheidungen längst gefallen sind.

Fazit
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Der MUKL hat deutlich gemacht, wohin die Reise in Kaarst gehen soll: mehr Klimaschutz, mehr Anpassung an Hitze, tiefgreifende Veränderungen bei der Wärmeversorgung und gleichzeitig steigende Kosten an anderer Stelle, etwa bei den Friedhofsgebühren.

Manches davon ist nachvollziehbar, manches wirkt überzogen, manches bleibt noch zu unkonkret. Vor allem bei der Wärmeplanung braucht es jetzt Klartext statt Schlagworte. Denn wenn von CO2-Neutralität, Fernwärme, Nahwärme und dem Ende fossiler Heizungen gesprochen wird, dann muss auch offen benannt werden, was das für Häuser, Wohnungen, Unternehmen und Geldbeutel in Kaarst tatsächlich bedeutet.

Kommunalpolitik ist oft trocken, aber ihre Folgen sind sehr real. Genau deshalb lohnt es sich, dranzubleiben, Fragen zu stellen und nicht alles einfach als technische Verwaltungsangelegenheit abzuhaken.

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