Die Argumentation der Stadtspitze wirkt innerhalb kürzester Zeit erstaunlich widersprüchlich. Noch vor vier Monaten wurde die vergleichsweise niedrige Steuerlast für Unternehmen als entscheidender Standortvorteil hervorgehoben – ein klares Signal an bestehende Betriebe und potenzielle Neuansiedlungen.
Nun soll genau dieses Argument durch eine deutliche Steuererhöhung praktisch außer Kraft gesetzt werden.
Das wirft grundlegende Fragen auf: Wie verlässlich sind politische Aussagen zur wirtschaftlichen Ausrichtung unserer Stadt, wenn sich zentrale Standortfaktoren in so kurzer Zeit ins Gegenteil verkehren? Unternehmen brauchen Planungssicherheit und klare Rahmenbedingungen. Wer heute investiert, tut das auf Basis der Aussagen von gestern – und muss nun feststellen, dass diese offenbar nicht mehr gelten.
Mit der geplanten Steuererhöhung droht Kaarst, einen seiner wenigen klar benennbaren Wettbewerbsvorteile gegenüber Nachbarkommunen leichtfertig aufzugeben. Gerade im interkommunalen Wettbewerb sind stabile und attraktive Rahmenbedingungen entscheidend. Wenn dieser Vorteil entfällt, bleibt offen: Wodurch will sich Kaarst künftig noch als Unternehmensstandort profilieren?
Ist es die Infrastruktur? Die Flächenverfügbarkeit? Die Verwaltungsfreundlichkeit? Oder gibt es eine neue, überzeugende Strategie, die den Wegfall des bisherigen Arguments kompensiert?
Ohne eine klare Antwort entsteht der Eindruck, dass wirtschaftspolitische Entscheidungen kurzfristig und ohne langfristige Linie getroffen werden. Das schwächt das Vertrauen – und genau dieses Vertrauen ist ein entscheidender Faktor für Investitionen und nachhaltige Standortentwicklung.



