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Sterben wird in Kaarst zur Luxusfrage

Kaarst erhöht die Friedhofsgebühren drastisch – und zeigt damit, wie wenig die Stadt für ihre Bürger noch erschwinglich ist.

Es gibt Momente, in denen städtische Beschlüsse eine Botschaft senden, die weit über Zahlen hinausgeht. Der heutige Abend ist einer davon. Im Ausschuss für

Mobilitäts-, Umwelt-, Klimaschutz- und Landwirtschaftsausschuss (MUKL) soll die Erhöhung der Kaarster Friedhofsgebühren dem Stadtrat empfohlen werden – und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Gebührenvergleich – vorher / nachher

Grabart Bisher Neu + Differenz
Erdwahlgrab 1.637 € 2.002 € + 365 € (+22 %)
Stelengrab 2.873 € 3.473 € + 600 € (+21 %)

Ein Erdwahlgrab kostet künftig 2.002 Euro, ein Stelengrab sogar 3.473 Euro. Steigerungen von über zwanzig Prozent – für Menschen, die ohnehin gerade das Schlimmste durchleben. Wer seine Angehörigen würdevoll beerdigen möchte, muss künftig tief in die Tasche greifen. Wer das nicht kann, hat schlicht Pech.

 

 

Dabei ist der Friedhof keine Wellness-Einrichtung, kein freiwilliges Angebot. Er ist eine öffentliche Daseinsvorsorge – wie die Straße, wie die Schule, wie das Standesamt. Er wird von der Stadt verwaltet, und er wird über Steuern mitfinanziert. Dass ausgerechnet hier so massiv die Kosten auf die Bürger abgewälzt werden, ist mehr als nur eine Preisanpassung. Es ist ein politisches Signal.

Die Stadt argumentiert vermutlich mit gestiegenen Betriebskosten, Personalaufwand, Inflation. Das mag alles zutreffen. Doch diese Logik gilt für Energie, für Lebensmittel, für Mieten gleichermaßen – alles Bereiche, in denen Kaarster Bürgerinnen und Bürger bereits heute mehr zahlen als noch vor drei Jahren. Die Friedhofsgebühren sind nicht die einzige Belastung. Sie sind die jüngste in einer langen Reihe.

Und das ist der eigentliche Skandal: Nicht der Vorschlag der Erhöhung für sich genommen, sondern die Gleichgültigkeit, mit der sie in Zeiten massiver Alltagsbelastungen beschlossen wird. Kein Aufschrei in der Politik, keine öffentliche Debatte, keine soziale Staffelung – einfach eine neue Gebührentabelle, die heute Abend abgenickt werden soll. Wir werden dagegen abstimmen.

„Sterben muss man sich leisten können“ – dieser Satz klingt zynisch. Er ist es auch. Aber er beschreibt die Realität, die Kaarst heute Abend ein Stück weiter befestigt.

Was wäre die Alternative? Andere Kommunen machen es vor: sozial gestaffelte Gebühren, je nach wirtschaftlicher Lage der Hinterbliebenen. Bezuschussungen für Bestattungen im Niedrigpreissegment.

Wir haben für Sie die Kalkulation der Friedhofsgebühren hier zum reinschauen.

Der MUKL-Ausschuss hat heute Abend die Chance, zumindest ein Zeichen zu setzen: indem er die Vorlage zurückverweist, eine Sozialklausel einfordert oder wenigstens eine offene Debatte darüber erzwingt, was eine Stadt ihren Bürgern schuldet – auch und gerade im Tod. Wir werden sehen, ob der politische Mut dazu vorhanden ist.

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